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	<title>Archiv - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>https://w3.banater-archiv.de/index.php?title=ART:0029_-_Stefan_J%C3%A4ger&amp;diff=13056</id>
		<title>ART:0029 - Stefan Jäger</title>
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		<updated>2015-03-28T16:52:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;217.50.34.208: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{DISPLAYTITLE:Stefan Jäger}}&lt;br /&gt;
{{Infobox Bibliografie Aufsatz&lt;br /&gt;
 |AutorName           = Axmann &lt;br /&gt;
 |AutorVorname        = Elisabeth&lt;br /&gt;
 |Aufsatztitel        = Stefan Jäger&lt;br /&gt;
 |HerausgeberName     = Neuer Weg&lt;br /&gt;
 |HerausgeberVorname  =&lt;br /&gt;
 |Buchtitel           = Almanach&lt;br /&gt;
 |Untertitel          = 1958&lt;br /&gt;
 |Reihentitel         =&lt;br /&gt;
 |Erscheinungsort     = Bukarest&lt;br /&gt;
 |Verlag              = Neuer Weg&lt;br /&gt;
 |Entstehungsjahr     = 1957&lt;br /&gt;
 |Seite               = 178&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Maler [[Stefan Jäger]] wurde 1877 in der Banater Gemeinde [[Cenei|Tschene]] als Sohn eines Feldschers geboren. Er studierte in [[Budapest]], München und Venedig, kehrte sodann in die Heimat zurück und ließ sich 1910 in [[Jimbolia|Hatzfeld]] nieder, wo er in den Jahren, die seither vergangen sind – im Mai1957 feierte [[Stefan Jäger]] seinen 80. Geburtstag –, gelebt und gearbeitet hat.&lt;br /&gt;
Jedem oberflächlichen oder formalistischen Streben fern, blieb [[Stefan Jäger|Jägers]] Kunst stets der Wirklichkeit treu; sie war in all den Jahren dem an Arbeit und  auch an malerischen Festen reichen Leben der Banater Schwaben gewidmet. Denn  [[Stefan Jäger]] – davon zeugt sein ganzes Werk – hängt an seiner Heimat mit inniger unwandelbarer Liebe, der auch die lebendigen Quellen seines künstlerischen Schaffens entspringen. In liebevoller Mühe hat er – (der von blasierten und entwurzelten Ästheten oft als „Bauernmaler&amp;quot; über die Achsel angesehen wurde – ein Werk geschaffen, das wohl über die Tageserfolge manch eines „ ... istischen&amp;quot; Malers hinausging und lebendig bleiben wird.&lt;br /&gt;
Besondere Bedeutung kommt dem Hauptwerk [[Stefan Jäger|Jägers]], dem Triptychon [[„Die Einwanderung der Schwaben ins Banat&amp;quot;]] zu. Auf drei großen gestaltenreichen Ölgemälden versucht [[Stefan Jäger|Jäger]], Momente des historischen Vorgangs der Einwanderung festzuhalten: ein Zug unterwegs, die Rast (Ankunft) und schließlich das Aufbauen der neuen Heimat. (Diese Gemälde gehören sowohl inhaltlich wie auch der Malweise nach zusammen; nach wechselvollem Schicksal befinden sie sich nun im Besitze des Banater Regionsmuseums.)&lt;br /&gt;
Wer dürfte aber – wenn auch noch so kurz – von [[Stefan Jäger]] sprechen, ohne seine Skizzenmappen zu erwähnen, diese unerschöpflichen Fundgruben für die Erforschung des Banater Volkslebens, sowie für jeden, der Freude am Schönen hat, an der Kunst, die dem Alltag und den Festtagen der schwäbischen Bauern entwächst...&lt;br /&gt;
Besonders wertvoll sind diese Skizzenblätter – ihre Zahl beträgt über 100 – dadurch, dass hier Trachten und Brauchtum aus allen Schwabendörfern nicht nur mit größter Genauigkeit gezeichnet . und das künstlerisch Lebendigste und Wirkungsvollste ins Licht gerückt wird, sondern auch, weil jedes Blatt mit Aufzeichnungen versehen ist, die feststellen, vergleichen, unterstreichen.&lt;br /&gt;
Diese Mappen, vom Banater Regionsmuseum kürzlich angekauft, werden die Herausgabe eines überaus schönen und interessanten Trachtenbuches ermöglichen.&lt;br /&gt;
Zu seinem 80. Geburtstag wurde [[Stefan Jäger]] mit dem [[Arbeitsorden]] ausgezeichnet. Außer dieser öffentlichen Ehrung und Anerkennung seiner Verdienste erfreut er sich aber auch der Liebe und Dankbarkeit, die ihm seine Landsleute entgegenbringen, und mit ihnen jeder, der volksverbundene, lebendige Kunst zu schätzen weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Foto:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stefan Jäger &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Repro, sw:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einwanderung der Schwaben ins Banat&amp;quot; (Rast)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sammelband]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Neuer Weg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lebenslauf in groben Zügen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>217.50.34.208</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>https://w3.banater-archiv.de/index.php?title=ART:0011_-_J%C3%A4ger,_Istv%C3%A1n&amp;diff=13055</id>
		<title>ART:0011 - Jäger, István</title>
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		<updated>2015-03-28T16:51:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;217.50.34.208: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Bibliografie Sammelband&lt;br /&gt;
 |HerausgeberName     = Thieme&lt;br /&gt;
 |HerausgeberVorname  = Ulrich&lt;br /&gt;
 |Buchtitel           = Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler&lt;br /&gt;
 |Untertitel          = von der Antike bis zur Gegenwart&lt;br /&gt;
 |Reihentitel         =&lt;br /&gt;
 |Erscheinungsort     = Leipzig&lt;br /&gt;
 |Verlag              = VEB E.A. Seemann Verlag&lt;br /&gt;
 |Entstehungsjahr     = 1924&lt;br /&gt;
 |Seite               = 333&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Jäger''', István (Stefan), ungar. Maler, geb. 1877 in Cseve (Com. Torontál), Schüler der Akad. zu [[Budapest]]. Malte Altarblätter für Jázova u. Arad, ferner eine hist. Komposition „Ansiedelung deutscher Kolonisten in Ungarn&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Torontál vármegye monografiája, [[Budapest]] o. J., p. 275. K. Lyka.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Buch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erwähnung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Triptychon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>217.50.34.208</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>https://w3.banater-archiv.de/index.php?title=Art:0001_-_Festtage_in_Gyerty%C3%A1mos&amp;diff=13054</id>
		<title>Art:0001 - Festtage in Gyertyámos</title>
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		<updated>2015-03-28T16:48:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;217.50.34.208: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Bibliografie Zeitung&lt;br /&gt;
 |AutorName           =  &lt;br /&gt;
 |AutorVorname        = &lt;br /&gt;
 |Aufsatztitel        = Festtage in Gyertyámos&lt;br /&gt;
 |Zeitungstitel       = Temesvárer Zeitung&lt;br /&gt;
 |Untertitel          =&lt;br /&gt;
 |Erscheinungsort     = Temesvár&lt;br /&gt;
 |Jahrgang            = 59&lt;br /&gt;
 |Nummer              = 111&lt;br /&gt;
 |Datum               = 18.05.1910&lt;br /&gt;
 |Seite               = 2 und 3&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Festtage in Gyertyámos'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Temesvar, 17. Mai''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die blühende Torontáler Gemeinde [[Gyertyámos]] war an den beiden Pfingstfeiertagen der Schauplatz schöner Festlichkeiten. Man feierte Feste der Kultur,der Arbeit und des Fortschritts. Der „Südungarische landwirtschaftliche Bauernverein“ hat dem Kranze seiner Verdienste durch die Arrangirung dieser Festlichkeiten abermals ein Lorbeerblatt hinzugefügt. Aus Nah und Fern, von überall, wo der Bauernverein Mitglieder besitzt, waren Gäste – an 2000 Personen – erschienen, um Zeugen der wirtschaftlichen Erfolge und Bestrebungen der Gyertyámoser zu sein. Ein besonderes Illustre erhielt das Arrangement durch die Enthüllung des Bildes [[„Einzug der Deutschen in Ungarn“]], das von einem engeren Landsmann gemalen, doppelt an Werth gewann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lobend und anerkennend als Beweis für die Nüchternheit und Taktik der Gyertyámoser Bewohnerschaft, sowie des arrangirenden Bauernvereins muß hervorgehoben werden, dass trotzdem die Wahlpolitik gerade in diesem Bezirke höhere Wellen schlägt und eben jetzt nahe vor der Entscheidung steht, kein Misston die Harmonie der Festtage störte. Es verdient dies besonders darum hervorgehoben zu werden, da der Bezirk in zwei Lager gespalten und der Kandidat der einen Partei [[Julius  Hódy]] persönlich zu dem Feste erschienen war. Ebenso war der gewesene sächsische Abgeordnete [[Coppony]] aus Brassó mit einigen Prinzipiengenossen erschienen. Doch keinerlei Zwischenfall hemmte den programmgemäßen Verlauf. Die Politik war gänzlich ausgeschaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ueber den Verlauf der Festlichkeiten erhalten wir folgenden Bericht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Empfang der Gäste – Serenaden.'''''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon Samstag mit den Nachmittagszügen trafen zahlreiche Festteilnehmer in Gertyámos ein. Unter Anderen auch die Fahnenmutter Frau Röser mit ihrem Gemahl [[Johann Röser sen.]], Inhaber des bekannten Handelslehrinstituts in [[Budapest]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abends fanden zu Ehren der beiden Fahnenmütter Frau Elisabeth Römer und Frau Johann Röser Lampionserenaden statt, die einen imposanten Verlauf nahmen. Mit den verschiedenen Zügen am Sonntag, selbst noch am Montag langten stets große Gruppen an Besuchern ein, die jedes Mal am Bahnhof duch das Komitè empfangen und unter klingendem Spiel in die Ortschaft geleitet wurden. Der ganze Weg bis dahin, sowie die Gemeinde selbst trug reichlichen Fahnenschmuck und waren auch an mehreren Stellen Triumphpforten errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Eröffnung der Gewerbeausstellung.'''''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Pfingstmontag um 8 Uhr Früh fand sodann die feierliche Eröffnung der Gewerbeausstellung statt. Zuerst begrüßte der Präses der Ausstellungskommission [[Anton  Gamauf]] die erschienenen Festgäste, worauf der Protektor dieser Ausstellung [[Julius Hódy]] eine Ansprache hielt. Die heutige Feier ist keine politische, sagt Redner, sondern ein Fest der Arbeit. Landwirthe und Gewerbetreibende legen Zeugnis ab, was Arbeit und Fleiß zustande gebracht. Abtdomherr [[Franz Blaskovics]] konstatirt ebenfalls mit Freude, dass das Werk der Gyertyámoser Bevölkerung uns den Beweis geliefert, was ein arbeitsames Volk zu schaffen im Stande ist, denn trotzdem die Einwohnerschaft zumeist aus Landwirthen besteht, blüht hier auch ein ganz tüchtiger Gewerbestand. Er erklärt die Ausstellung für eröffnet und fordert die Anwesenden zu einem Rundgang in der Industriehalle und der Maschinenexpositur auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch sang der „Gyertyámoser Männergesangverein“ den „Hymnus“, worauf die Besichtigung der Ausstallung begann. In einem geräumigen eigens zu diesem Zwecke solid erbauten Gebäude finden wir eine ganz hübsche Expoition der verschiedensten gewerblichen Produkte. Besonders überraschend sind die Leistungen der Gyertyámoser Tischler, die ihre Erzeugnisse in separaten Interiuers ausgestellt. Ganz besonders fiel eine Schlafzimmer-Einrichtung der Dampftischlerei [[Josef Wechselberger]] auf, die mit Brandmalerei ausgestattet auf künstlerischen Werth Anspruch erheben darf. Doch auch die übrigen Gegenstände, auf deren Aufzählung einzugehen der Raum unseres Blattes leider nicht gestattet, beweisen, dass der Gewerbestand Gyertyámos’ den Ansprüchen der heutigen Zeit vollkommen Genüge zu leisten im Stande ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Ausstellung betheiligten sich insgesammt 51 Gewerbetreibende mit 134 Gegenstände, ferner in der Hausindustrieabtheilung zahlreiche Damen mit 750 Gegenstände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am freien Platze außerhalb des Pavillons waren eine schöne Exposition landwirtschaftlicher Maschinen, sowie die Erzeugnisse der beiden Gyertyámoser Ziegeleien hübsch gruppirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Bildenthüllung.'''''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Glanzpunkt der Gyertyámoser Festtage bestand in der Enthüllung des Bildes [[„Der Einzug der Deutschen nach Ungarn“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Bild ist in einer besonderen Abtheilung der Ausstellung – mit noch mehreren hübschen Schöpfungen des Malers [[Stefan Jäger]], der dieses gemalt, untergebracht. Es ist ein 6 Meter langes und 2 Meter hohes Oelgemälde in drei Theilen und stellt in einer künstlerisch und historisch treuen Ausführung drei Momente dar: 1. [[Am Wege der Wanderung]], 2. [[Rast beim Ankommen in der neue Heimath]] und 3. [[die eigentliche Ansiedlung]]. Von dem Bilde wurden bereits eine Anzahl Kopien in künstlerischem Druck angefertigt und wurden an das Publikum verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Festrede bei der Enthüllung des Bildes hielt Abt-Domherr [[Franz Blaskovics]]. Als vor Jahren die Gemeinde Gyertyámos das 100-jährige Erinnerungsfest an ihren Bestand feierte – sagt Festredner – und die damals erschienene Monographie in eingehender Weise die Ansiedlung schilderte, erkannte der Altbürger dieser Gemeinde [[Adam Röser]] – ein Nachkomme der einstigen Kolonisten – die Wichtigkeit, welche dem Bilde zukommt, dass es besser als das gedruckte Wort im Stande ist, auf das Gemüth zu wirken. Und so reifte in ihm der Entschluß, den Einzug unserer Vorfahren in die neue Heimath in pietätvoller Weise bildlich verewigen zu lassen. Es möge die Hülle des Bildes fallen (dieselbe wird herabgelassen), damit wir daraus erkennen, dass nur die Arbeit zum Wohlstande und Fortschritt, zu einer gesicherten Zukunft führen. Und jetzt wollen wir einen Blick auf die vergangenheit werfen, als unsere Ahnen, so wie einst die Israeliten durch die Wüste zogen, in das Land der Milch und des Honigs, in das schöne Ungarn gewandert kamen. Wenn man zurückdenkt, dass damals noch nicht das Dampfroß das Reisen bequem machte, so kann man sich vorstellen, wie mühselig die Wanderung der Männer und Frauen gewesen, die unzählige Gefahren zu überstehen hatten, um ans Ziel zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war Ungarn auch noch nicht mit Milch und Honig gesegnet, sondern es waren überall noch Spuren des 200jährigen Türkenjoches, Verwüstung bemerkbar. Wenn wir uns die damaligen armseligen Lehmhütten betrachten und heute die modernen Bauernhäuser, so wie auch unsere Ausstellung, so gibt dies alles redliches Zeugniß von den Fleiße des eingewanderten Volkes. Das Bild führt uns so lebhaft vor Augen wie Vergangenheit, gegenwart und Zukunft ineinander greifen. Wenn wir das Bild genau betrachten, wie die Ahnen die Heimath verlassen, um als Kulturpflanze in ein anderes, vom Kriege verwüstetes Land verpflanzt zu werden, so ersehen wir daraus, dass es dem Menschen genau so ergeht, wie dem Baume, der edle Früchte trägt. Finden wir irgendwo eine edle Frucht, so trachten wir sie auch bei uns zu verpflanzen. Die aus anderer Erde, anderem Klima hierher gebrachte Pflanze wird nur dann Früchte tragen, wenn sie sich bei uns heimisch fühlt, wenn sie sich bei uns akklimatisirt. So ist es auch bei den Menschen, der eine neue Heimath sucht. Es taucht nun die frage auf, ob der Stamm, der damals nach unserem geliebten Vaterlande kam, sich hier akklimatisirte. Ihre mehr als 100jährige Geschichte lehrt es, dass sie mit ganzen Herz und ganzer Seele dem ungarischen Vaterlande angehören, und eben darum und auch darum, weil sie sich vollkommen akklimatisirt haben, ist ihr Stamm nicht ausgedorrt, sondern hat sich mächtig ausgebreitet und blühende Umgebung geschaffen. Und dass dieser Baum gute edle Früchte getragen, das beweißt die heutige Gewerbe- und die morgige Viehausstellung. So bleibt uns die Verganheit als Lehre für die Zukunft. Um fruchtbare Bäume zu züchten, müssen wir auch in Zukunft besorgt sein. Wir müssen unseren Söhnen nebst Uebung der Gottestugenden, Festhalten an Redlichkeit, Bürgersinn, Fleiß, Nächstenliebe und Mannesmuth, hauptsächlich aber Anhänglichkeit am ungarischen Vaterland lehren. Die Erinnerung an unsere Ahnen hätte die jetzige Generation nicht schöner zum Ausdruck bringen können, als durch die Schaffung dieses Bildes. Und den Worten der hl. Schrift „Ehre Vater und Mutter“ entsprechen wir am Besten dadurch, dass wir die Anhänglichkeit an das ungarische Vaterland, welches sich unsere Voreltern zur Heimath auserkoren, auch unseren Kindern einimpfen. Redner sprich zum Schlusse dem Initiator dieses schönen Bildes Herrn Adam Röser, der auch durch bedeutende materielle Opfer dem Maler die Schaffung des Werkes ermöglichte, den Dank aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr [[Adam Röser]] hat sich schon durch die Errichtung der Schülerkonvikte in [[Szeged]] patriotische Verdienste erworben, durch dieses Bild hat er neuerdings die Anhänglichkeit an die Scholle seiner Väter dokumentirt. Ebenso gebührt dem jungen Maler [[Stefan Jäger]], ein Cseneer Kind, für die Mühe, dass er seine Aufgabe gut gelöst, der Dank. So sollen auch unsere Nachkommen stets der Devise; „Für Gott, König und Vaterland!“ eingedenk sein, damit ihr Erdenwallen sich ebenso segensreich gestalte, wie das ihrer Eltern!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* * *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ebenfalls anwesende junge Maler [[Stefan Jäger]] wurde zu seinem Werke herzlichst beglückwünscht. Derselbe wurde im Jahre 1877 in [[Csene]] geboren, absolvirte 6 Bürgerschulen und vier Jahrgänge der Musterzeichenschule in [[Budapest]]. Sodann trat er eine längere Studienreise ins Ausland an, wo er auch die Vorstudien zu obigem Bilde machte, an dem er vier Jahre arbeitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Prämiirung der Gewerbeaussteller'''''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Jury der Gewerbeausstellung schon tags vorher ihres Amtes gewaltet, konnte sofort nach dem Eröffnungsrundgange die Prämiirung vorgenommen werden. Es wurden folgendes Resultat verlautbart:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewerbeausstellung:  I. Preise: [[Stefan Mager]] Schmied, Johann Ruß Wagner, Anton Wagner Schlosser, Gebrüder Kloß Ziegelei, I. Gyertyámoser Ziegelei A.-G., Stefan Jochum Schuster, Heinrich Weiß Schneider, Nikolaus Hajnay Riemer, Josef Wechselberger Tischler, Röser &amp;amp; Neuhauß, R. Krier jun. Zimmermann, Nikolaus Lutz Baumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II. Preise: Michael Schmidt Schuster, Johann Urban Schneider, Anton Klein Spengler, Johann Gutekunst, Fassbinder, Johann Hauschild Seiler, Christof Tullius Besenerzeuger, Mathias Heine Schmied, Georg Zeilinger Bäcker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III. Preise: Johann Metz Schneider, Johann Mettler Schuster, Peter Kieser Schuster, Jakob Färber Tischler, Mathias Hari Schneider, Johann Frei Steinmetz, Ludwig Rakoczky Drechsler, Johann Rammacher Lebzelter, Leo Weichand Tapezierer, Martin Augustin Tischler, Anton Birkenheuer Tischler, Johann Szabó Tischler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handarbeit: I. Preise: Eva Gamauf (Tull anlais, ausgelegte Arbeit), Frau Henriette Volk (Vorhang, Häckelarbeit), Frau Anton Kuthy (Nadelmalerei).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II. Preise: Frau Nikolaus Kloß (Tischläufer), Therese Knopf (Nadelmalerei), Maria Mandl (Netzstoffarbeit), Mariska Witwer (Durchbrucharbeit-Kollektion), Katalin Kreppel (Durchbruch-Bettgarnitur), Elisabeth Schuld (Tischläufer), Magdalena Kreppel (Durchbrucharnbeit, Milieu).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III. Preise: Katalin Furier (Taufdecke), Magdalena Kreppel (Perlpolster), Frau Peter Kolla (gehäckelter Vorhang), Anna Schmitz (Tischläufer und Milieu-Nadelmalerei), Margit Walzer Rotschink (Milieu-Nadelmalerei) Therese Löwy (gehäckeltes Jäckchen), Margit Wechselberger (Milieu), Ilona Knopf (gehäckelter Hut), Anna Kuhn (Netzarbeit, Kinderröckchen, Häubchen), Frau Alexander Kamény (gestickte Weißwäsche, Maschinarbeit).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Zwei Fahnenweihen.'''''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Ausstellungsplatze zogen die Gäste sowei das Arrangirungskomitè unter klingendem Spiele zur Einholung der beiden Fahnenmütter. Es hatten sich sowohl der Ortsverein des Bauernvereins, sowie der Gewerbeverein eine Fahne angeschafft, die heute in festlicher Weise geweiht werden sollten. Bei der ersten Fahne hat Frau Elisabeth Römer geb. Kreppel bei der zweiten Frau Johann Röser aus [[Budapest]] das Ehrenamt der Pathin übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 10 Uhr fand in der Pfarrkirche das Hochamt statt, welches Abt-Domherr Franz Blaskovics zelebrite, nach welchem derselbe den Akt der Weihe der Fahnen in Begleitung einer Ansprache vornahm. Am Chore sangen die Zöglinge des Gyertyámoser Konviktes in Szeged altungarische Kirchenlieder. Nach der Weihe wurde der Nagelschlag vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Sonstige Veranstaltungen'''''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittags fand in den Kasinolokalitäten ein Banket statt, an welchem sich mwehr als 250 Personen betheiligten. Während desselben wurden eine Anzahl Toaste gesprochen, auch langte ein begrüßungstelegramm des Vizegespans August Jankó ein, welches allsogleich beantwortet wurde. Gleichzeitig ging auch an den Obergespan Ludwig v. Delimanics ein begrüßungstelegramm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Nachmittag füllte ein Volksfest, sowie Besichtigungen von Bienenständen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Abend in den Kasinolokalitäten abgehaltenen Gemüthlichen Abend des Gyertyánoser Männergesangvereines fanden die Veranstaltungen des ersten Festtages ihren Abschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Der zweite Festtag.'''''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Pfingstmontag war ganz der Landwirtschaft gewidmet. Um 7 Uhr Früh wurde die Pferde- und Hornviehausstellung eröffnet, sodann eine Wanderversammlung unter dem Vorsitz des Abt-Domherrn Franz Blaskovics abgehalten und die Prämiirung der Viehaussteller vorgenommen. Nachmittags aber eine Probeackerung mit dem Bauernvereins-Dampfpfluge arrangirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zeitung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Temesvárer Zeitung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Triptychon]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Würdigung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>217.50.34.208</name></author>
		
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		<title>ART:0018 - Der Schwabenmaler Stefan Jäger</title>
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		<updated>2015-03-28T16:30:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;217.50.34.208: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Bibliografie Zeitung&lt;br /&gt;
 |AutorName           = Wanderer&lt;br /&gt;
 |AutorVorname        = Johann&lt;br /&gt;
 |Aufsatztitel        = Der Schwabenmaler Stefan Jäger&lt;br /&gt;
 |Zeitungstitel       = [[Neuer Weg]]&lt;br /&gt;
 |Untertitel          =&lt;br /&gt;
 |Erscheinungsort     = Bukarest&lt;br /&gt;
 |Jahrgang            = 9&lt;br /&gt;
 |Nummer              = 2420&lt;br /&gt;
 |Datum               = 01.02.1957&lt;br /&gt;
 |Seite               = 4&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Der Schwabenmaler Stefan Jäger'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Von  Johann  Wanderer [= Reiter, Robert alias Liebhard, Franz]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Maler [[Stefan Jäger]], der beinahe ein halbes Jahrhundert in Hatzfeld wirkte, wird in diesem Jahre seinen achtzigsten Geburtstag begehen. Ein Sohn der Gemeinde Tschene, ließ er sich nach seinen Lehr- und Wanderjahren 1910 in Hatzfeld nieder, ein stiller, zurückgezogener Mann, der nur für die Malerei und ausschließlich von der Malerei lebte. Eine Kühnheit war das in einem Orte, der, obwohl er sich in dieser Zeit vom Dorf zum Marktflecken und von diesem zur Kleinstadt entwickelte, für das Dasein eines Malers nicht gerade die günstigsten Bedingungen bot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war die Domäne der Grafen Csekonics, da entfaltete sich ein großbäuerliches Herrentum, das seinen Reichtum demonstrativ zur Schau stellte und sich von der damals herrschenden Nation infiltrieren ließ, um auch auf diese Weise zu zeigen, dass es etwas Besonderes sei. Nachdem Hatzfeld schon sehr früh in den Eisenbahnverkehr eingeschaltet worden war – vor rund hundert Jahren und nicht zu Beginn unseres Jahrhunderts, wie man es vor kurzem in einem Zeitungsbericht lesen konnte – entstand eine Industrie – Mühlen, Ziegeleien, Hut- und Schuhfabrik. Es entwickelte sich aber auch ein Proletariat, und damit veränderte sich rasch die frühere Struktur der Bevölkerung. Die gesellschaftlichen Kämpfe, die sich auf dem Boden Hatzfelds seit der Jahrhundertwende abspielten, waren daher verwickelter Natur und manchmal von überaus großer Heftigkeit. Welche Widersprüche barg diese vom Rollen der gräflichen Kalesche und den Dampfsirenen der Fabriken durchlärmte Großgemeinde, die vom Drang in das Städtische fieberte! Welche Widersprüche zwischen den Kartenschlachten im Kasino und den meisterlichen Operationen des vortrefflichen Chirurgen Dr. Ludwig Diehl, volkstümlich „der alte Diehl&amp;quot; genannt! Welche unversöhnlichen Gegensätze zwischen dem Rufe des Dorfes, dank dem Atelier [[Stefan Jäger|Stefan Jägers]], ein schwäbisches Athen in der Heide zu sein, wo ein Paul Moussong seine Gedichte drucken ließ und der sich nunmehr auch dem Greisenalter nähernde Peter Jung seine Tausende Gedichte schrieb und dem kapitalistischen Frevel, nach dem ersten Weltkrieg, nach der Enteignung des gräflichen Latifundiums die obdachlos gebliebene Bibliothek, deren Anfänge aus dem 18. Jahrhundert stammten, im Ringofen des Ziegeleibarons Threiss, des „schwäbischen Stinnes&amp;quot;, für den sehr nüchternen Zweck der Ziegelerzeugung zu verheizen! In der gleichen Gemeinde, die in ihrem Park der Menschenfreundlichkeit ein Denkmal setzte, ein Standbild des Wohltäters der Leidenden, Dr. Diehl, wurden nach etlichen Jahren sieben Männer ermordet, weil sie von einer Welt der Menschenfreundlichkeit träumten und bereit waren, für eine solche Welt ihr Bestes in die Schanze zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stand der Maler [[Stefan Jäger]] inmitten dieser Spannungen und Auseinandersetzungen? Hatte [[Stefan Jäger|Jäger]], den man lange, mit einem billigen Lächeln als einen Maler des Kleinen und Engen, des harmlosen Genres, des Unproblematisch-Hellen, das kein Kopfzerbrechen verursacht, hinzustellen versuchte, in seiner Art, nach den Möglichkeiten seiner Kunst eine Stellung bezogen, die einen Teil des Inhaltes der Zeit zum Ausdruck brachte? Oder wäre es eine Übertretung, in Verbindung mit [[Stefan Jäger|Jäger]] hiervon zu sprechen, da er ein Unpolitischer war und es zu allen Zeiten vorzog, als ein solcher gerühmt oder verdammt zu werden? Der hochbetagte Meister wird vielleicht das Haupt staunend schütteln, wenn er vernimmt, dass hier nach Zusammenhängen gesucht wird, die nicht auf der Oberfläche liegen, sondern darunter, jedoch nicht nur aufgespürt werden können, sondern ins Licht gerückt werden müssen. Anders wird man seiner Bedeutung nie gerecht werden können, anders wird es nicht einmal annähernd möglich sein, sein besonderes Gewicht im Leben der deutschen Bevölkerung des Banats richtig zu ermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1877 in Tschene geborene Sohn eines Rasierers und Feldschers, dessen malerische Begabung schon in frühem Alter zum Durchbruch gekommen war und der sich in Budapest, München und Venedig zum Maler ausgebildet hatte, war immer ein Abseitiger – in seiner Kunst, aber auch in den Beziehungen zu den Menschen seiner Umwelt. Er war zeitlebens in bestimmtem Sinne ein Einsamer, ja sogar in einem gewissen Masse ein Eigenbrötler, der einen Kreis um sich gezogen und sich darin eingerichtet hatte. Vergegenwärtigen wir uns einmal nur die Zeit: wir stehen vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, ein Gewitter ist im Anzug, in dem die gräfliche Herrlichkeit versinken soll. Aber um 1910 war sie noch unangetastet. Müssen wir nicht der Einsamkeit, ja sogar der Eigenbrötelei [[Stefan Jäger|Stefan Jägers]] zustimmen, weil er sich durch sie davor behüten konnte, in das gräfliche Schlepptau genommen zu werden? Wir dürften diese Einsamkeit auch aus einem anderen Grunde billigen. Sie verhütete, dass er zweifellos vorhanden gewesenen Verlockungen, ein schönfärberischer, idealisierender Porträtist des Großbauerntums zu werden, nicht erlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchen schien dieser selbstgezogene Kreis des Einsamen sehr eng, geradezu krähwinklig, außerhalb der höheren Kunstbezirke liegend, außerhalb des heiligen Schauders, wo der Geheimsprache der Farben die Gefahr droht, vom Grau des prosaischen Alltags verschlungen zu werden, und einen der seelische Veitstanz der Dürrnis so lange schüttelt, bis man nicht mehr vergisst, einmal irgendwann im Leben innere Stimmen vernommen und im Scheine innerer Gesichte gestanden zu haben.&lt;br /&gt;
Wer erinnert sich nicht an die Zeit der Kunstverzückung, an die exaltierten Schwärmereien und das Rätselgeflecht von Ismen? All das war auch zu uns geflutet, es gab auch bei uns Auserwählte und Exaltierte, Verschmäher des Wirklichen und Dogmatiker der Phantasterei, die in einer Sackgasse auf der gleichen Stelle umhertraten. Diese Gilde der Traumschwangeren, die ihrer Palette ein Eigenleben, ein vom Leben der Umwelt unabhängiges, zugedichtet hatten, blickte auf jeden nieder, wie wenn man von einem an die Wolken stoßenden Gipfel in die unermessliche Tiefe, die alles winzig-klein erscheinen lässt, hinabschaut. Daher galt [[Stefan Jäger]] manchem Adepten des Kunstbetriebs nicht als vollgültiger Maler; er war den Zünftigen zu einfach, weil er sich in keine Komplikationen verrannte und weil das, was er mit seinem Pinsel darstellte, nicht etwas anderes sein sollte, als sich dem Auge darbot. [[Stefan Jäger|Jäger]] wurde wegen seiner Treue zum Gegenständlichen und zum Menschlichen als eine Peripherialerscheinung zum Teil bemitleidet, zum Teil als „Dorfmaler&amp;quot; entwertet. Es wurde ihm ein größerer Geistigkeitswert aberkannt, und er wurde als der Vertreter eines mehrweniger vulgären Kunstgeschmacks abgestempelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was aus dieser Bewertung als Negatives herausgelesen werden kann: Jene unbedingte Anhänglichkeit der Wirklichkeit gegenüber, die sich all die Jahrzehnte hindurch als unerschütterlich erwiesen hat, ist gerade das große Positivum, das als hervorragendster Vorzug seines Schaffens ihn der Gegenwart so wert macht, ihn trotz des hohen Alters als einen Maler erscheinen lässt, dessen Werk mit der Zeit von heute eng verknüpft werden kann. Über die Spannweite seiner Thematik und der Behandlungsweise seiner Gegenstände können die Meinungen auseinandergehen – eines bleibt unverrückbar bestehen: Seitdem er die „Einwanderung der Schwaben&amp;quot;, das große dreiteilige Gemälde von Wanderung, Ankunft und Niederlassung geschaffen hat, ist er dem Grundmotiv vom Menschen, der sich durch seine Arbeit behauptet und sich das Leben durch sinngemäße Feste verschönert, immer treu geblieben. Eine solche Lobpreisung des Menschen, der sich durch seiner Hände Mühe einen Herd schafft und Neuland dem Pflug erobert, kann füglich als Einspruch hingestellt werden gegen alle Ungeheuerlichkeiten, die in zwei Weltbränden über uns und unseresgleichen anderer Sprache gekommen sind. Der gesellschaftliche Protest spricht viele Idiome, einer dieser tönte aus [[Stefan Jäger|Jägers]] Bildern den Anschlägen wider die Menschenfreundlichkeit, der im Großen betriebenen Entmenschlichung entgegen. Wohl hat [[Stefan Jäger|Jäger]] nicht die ganze Wirklichkeit seiner Zeit bis zu den tiefsten Zusammenhängen und in ihren Bewegungen zu erfassen vermocht. Wenn es nicht zu den Ruhmesblättern von Hatzfeld gehört, dass Karl von Möller in den Mauern des Städtchens seine Romane auf dem Siedepunkte nationalistischer Blindheit und militaristischen Gerassels geschrieben hat, so kann es andererseits Hatzfeld nicht hoch genug angerechnet werden, dass ein Maler vom Wesen [[Stefan Jäger|Jägers]] hier die Möglichkeiten für seine Betätigung gefunden hat. Und dass er sie auch bis ins hohe Alter hinein behalten konnte durch sein ununterbrochenes Bekenntnis zum Menschlichen, zur Schönheit des Lebens bei Arbeit und Fest, durch seine Treue zum einfachen Volke, in seiner rührenden Liebe  zu  allem,  was diesem  gehört – vom Spinnrad bis zum Zapfenbrett, von einer einfachen Schnitzerei bis zum Barockgiebel der Bauernhäuser, vom Kerweihstrauß bis zur Haartracht der aufgesteckten Zöpfe, von der hauchigen, festlichen Mädchentracht bis zur ehrwürdigen Truhe, von den einfachen Ornamenten an Möbelstücken bis zu den in die prächtige Seide der Röcke hineingewebten Blumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles ist ja Volkskunde – vielleicht findet sich jemand, der das mit dem Nebengeräusch leiser Missachtung  auch  heute noch  sagt.  Unbestreitbar – das ist es, und es wäre nur das, wenn nicht alles durchdrungen wäre von einem tiefen Gefühl der Zusammengehörigkeit aller dieser Dinge; einem Gefühl, das sie in die Sphäre der Kunst erhebt. Was [[Stefan Jäger]] der deutschen Bevölkerung des Banats bedeutet, wird sich in der großen Ausstellung eines Teiles seines Lebenswerkes, die zu seinem achtzigsten Geburtstag geplant ist, in großen Umrissen wenigstens ermessen lassen. Neben dem Gesamtwerk, das über das ganze Gebiet des  Banats zerstreut ist, liegt [[Stefan Jäger|Jägers]] Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft in seinen reichen Skizzenmappen eingeschlossen, die vom Banater Regionalmuseum vor kurzem erworben wurden und eine wahre Schatzkammer der Dokumente schwäbischen Volkslebens darstellen. Die Ergebnisse der Beobachtungsarbeit von Jahrzehnten liegen in diesen Blättern verschiedener Größen, in diesen Aquarell- und zum kleineren Teil Bleistift- und Tuschskizzen, die oft die Jahreszahl ihrer Entstehung und verschiedene, mit Bleistift gemachte Anmerkungen aufweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist eine Skizze der Mädchenfesttracht von Neubeschenowa durch folgenden Text begleitet: „Blumen in Silberfarbe, ähnlich wie Sackelhausen.&amp;quot; Skizzen eines Erntefestes mit der Zeichnung eines halbkugelförmigen Ohrgehänges in Großausführung, Tanzausführung, Tanzpaare aus Bakowa wechseln mit Schnitterinnen aus Kleinbetschkerek ab, zu denen die Bemerkung geschrieben ist, dass die besonderen breiten Strohhüte im Schnitt auch von den Männern getragen werden. Neben einer Stube aus Guttenbrunn (Ofen, Spinnrad, Schubladkasten, Bett, davor Stühle und Tisch mit Krug) eine Frau beim Bügeln, ein malerisches Gassl und das Bild eines Silvesterständchens der Blechmusik aus dem gleichen Dorf. Sackelhausen ist durch eine Frauenhaube vertreten /mit Bleistift: „Schwarz mit Goldstickerei&amp;quot; / „Mattfleischfarbener Spenzer, Hemd mit roten Zacken eingefasst&amp;quot;/, liest man neben einem Mädchen in Tracht. Ein anderes Sackelhausener Mädchen ist wie folgt beschrieben: Tochter, Suppe auftragend – Rock: hechtgrau. Und so geht es fort: Deutschbentschek und Kreuzstätten, Jahrmarkt und Schöndorf, und noch viele andere Ortschaften. Jedes Blatt eine Fundgrube, auf jedem Blatt eine neue Entdeckung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bezeichnendste und Aufschlussreichste dieses unvergleichlichen umfangreichen Materials – die Zahl der Skizzenblätter beläuft sich auf mehrere hundert, jedes mit mehreren Abbildungen – soll in farbiger Wiedergabe in einem Trachtenbuch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So wird das, was dem Ursprung nach dem Volke gehört, über den Maler zum Volke wieder zurückkehren, als Spiegelbild der schöpferischen Kraft, die ihm innewohnt und die wir an Hand der [[Stefan Jäger|Jägerschen]] Skizzen noch besser werden kennen lernen als es bisher möglich war. Es ist zu wünschen, dass dieser Plan der Direktion des Banater Regionalmuseums als Beitrag zur Ehrung des Nestors unserer Maler unter den besten Bedingungen verwirklicht wird als Zeugenschaft dafür, dass in der Rumänischen Volksrepublik nicht nur Raum für die Pflege aller Volkskultur ist, im Geiste einer Eintracht, die keine Unterschiede kennt zwischen Bevölkerungsteilen verschiedener Sprache und verschiedener nationaler Überlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Repro:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Guttenbrunner Tracht (Studie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bauernmöbel aus Ortzidorf (Studie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwäbische Bauernhäuser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zeitung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Neuer Weg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Skizzen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildbeschreibung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wertschätzung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>217.50.34.208</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>https://w3.banater-archiv.de/index.php?title=ART:0018_-_Der_Schwabenmaler_Stefan_J%C3%A4ger&amp;diff=13052</id>
		<title>ART:0018 - Der Schwabenmaler Stefan Jäger</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://w3.banater-archiv.de/index.php?title=ART:0018_-_Der_Schwabenmaler_Stefan_J%C3%A4ger&amp;diff=13052"/>
		<updated>2015-03-28T16:29:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;217.50.34.208: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Bibliografie Zeitung&lt;br /&gt;
 |AutorName           = Wanderer&lt;br /&gt;
 |AutorVorname        = Johann&lt;br /&gt;
 |Aufsatztitel        = Der Schwabenmaler Stefan Jäger&lt;br /&gt;
 |Zeitungstitel       = [[Neuer Weg]]&lt;br /&gt;
 |Untertitel          =&lt;br /&gt;
 |Erscheinungsort     = Bukarest&lt;br /&gt;
 |Jahrgang            = 9&lt;br /&gt;
 |Nummer              = 2420&lt;br /&gt;
 |Datum               = 01.02.1957&lt;br /&gt;
 |Seite               = 4&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Der Schwabenmaler Stefan Jäger'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Von  Johann  Wanderer [= Reiter, Robert alias Liebhard, Franz]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Maler [[Stefan Jäger]], der beinahe ein halbes Jahrhundert in Hatzfeld wirkte, wird in diesem Jahre seinen achtzigsten Geburtstag begehen. Ein Sohn der Gemeinde Tschene, ließ er sich nach seinen Lehr- und Wanderjahren 1910 in Hatzfeld nieder, ein stiller, zurückgezogener Mann, der nur für die Malerei und ausschließlich von der Malerei lebte. Eine Kühnheit war das in einem Orte, der, obwohl er sich in dieser Zeit vom Dorf zum Marktflecken und von diesem zur Kleinstadt entwickelte, für das Dasein eines Malers nicht gerade die günstigsten Bedingungen bot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war die Domäne der Grafen Csekonics, da entfaltete sich ein großbäuerliches Herrentum, das seinen Reichtum demonstrativ zur Schau stellte und sich von der damals herrschenden Nation infiltrieren ließ, um auch auf diese Weise zu zeigen, dass es etwas Besonderes sei. Nachdem Hatzfeld schon sehr früh in den Eisenbahnverkehr eingeschaltet worden war – vor rund hundert Jahren und nicht zu Beginn unseres Jahrhunderts, wie man es vor kurzem in einem Zeitungsbericht lesen konnte – entstand eine Industrie – Mühlen, Ziegeleien, Hut- und Schuhfabrik. Es entwickelte sich aber auch ein Proletariat, und damit veränderte sich rasch die frühere Struktur der Bevölkerung. Die gesellschaftlichen Kämpfe, die sich auf dem Boden Hatzfelds seit der Jahrhundertwende abspielten, waren daher verwickelter Natur und manchmal von überaus großer Heftigkeit. Welche Widersprüche barg diese vom Rollen der gräflichen Kalesche und den Dampfsirenen der Fabriken durchlärmte Großgemeinde, die vom Drang in das Städtische fieberte! Welche Widersprüche zwischen den Kartenschlachten im Kasino und den meisterlichen Operationen des vortrefflichen Chirurgen Dr. Ludwig Diehl, volkstümlich „der alte Diehl&amp;quot; genannt! Welche unversöhnlichen Gegensätze zwischen dem Rufe des Dorfes, dank dem Atelier [[Stefan Jäger|Stefan Jägers]], ein schwäbisches Athen in der Heide zu sein, wo ein Paul Moussong seine Gedichte drucken ließ und der sich nunmehr auch dem Greisenalter nähernde Peter Jung seine Tausende Gedichte schrieb und dem kapitalistischen Frevel, nach dem ersten Weltkrieg, nach der Enteignung des gräflichen Latifundiums die obdachlos gebliebene Bibliothek, deren Anfänge aus dem 18. Jahrhundert stammten, im Ringofen des Ziegeleibarons Threiss, des „schwäbischen Stinnes&amp;quot;, für den sehr nüchternen Zweck der Ziegelerzeugung zu verheizen! In der gleichen Gemeinde, die in ihrem Park der Menschenfreundlichkeit ein Denkmal setzte, ein Standbild des Wohltäters der Leidenden, Dr. Diehl, wurden nach etlichen Jahren sieben Männer ermordet, weil sie von einer Welt der Menschenfreundlichkeit träumten und bereit waren, für eine solche Welt ihr Bestes in die Schanze zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stand der Maler [[Stefan Jäger]] inmitten dieser Spannungen und Auseinandersetzungen? Hatte [[Stefan Jäger|Jäger]], den man lange, mit einem billigen Lächeln als einen Maler des Kleinen und Engen, des harmlosen Genres, des Unproblematisch-Hellen, das kein Kopfzerbrechen verursacht, hinzustellen versuchte, in seiner Art, nach den Möglichkeiten seiner Kunst eine Stellung bezogen, die einen Teil des Inhaltes der Zeit zum Ausdruck brachte? Oder wäre es eine Übertretung, in Verbindung mit [[Stefan Jäger|Jäger]] hiervon zu sprechen, da er ein Unpolitischer war und es zu allen Zeiten vorzog, als ein solcher gerühmt oder verdammt zu werden? Der hochbetagte Meister wird vielleicht das Haupt staunend schütteln, wenn er vernimmt, dass hier nach Zusammenhängen gesucht wird, die nicht auf der Oberfläche liegen, sondern darunter, jedoch nicht nur aufgespürt werden können, sondern ins Licht gerückt werden müssen. Anders wird man seiner Bedeutung nie gerecht werden können, anders wird es nicht einmal annähernd möglich sein, sein besonderes Gewicht im Leben der deutschen Bevölkerung des Banats richtig zu ermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1877 in Tschene geborene Sohn eines Rasierers und Feldschers, dessen malerische Begabung schon in frühem Alter zum Durchbruch gekommen war und der sich in Budapest, München und Venedig zum Maler ausgebildet hatte, war immer ein Abseitiger – in seiner Kunst, aber auch in den Beziehungen zu den Menschen seiner Umwelt. Er war zeitlebens in bestimmtem Sinne ein Einsamer, ja sogar in einem gewissen Masse ein Eigenbrötler, der einen Kreis um sich gezogen und sich darin eingerichtet hatte. Vergegenwärtigen wir uns einmal nur die Zeit: wir stehen vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, ein Gewitter ist im Anzug, in dem die gräfliche Herrlichkeit versinken soll. Aber um 1910 war sie noch unangetastet. Müssen wir nicht der Einsamkeit, ja sogar der Eigenbrötelei [[Stefan Jäger|Stefan Jägers]] zustimmen, weil er sich durch sie davor behüten konnte, in das gräfliche Schlepptau genommen zu werden? Wir dürften diese Einsamkeit auch aus einem anderen Grunde billigen. Sie verhütete, dass er zweifellos vorhanden gewesenen Verlockungen, ein schönfärberischer, idealisierender Porträtist des Großbauerntums zu werden, nicht erlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchen schien dieser selbstgezogene Kreis des Einsamen sehr eng, geradezu krähwinklig, außerhalb der höheren Kunstbezirke liegend, außerhalb des heiligen Schauders, wo der Geheimsprache der Farben die Gefahr droht, vom Grau des prosaischen Alltags verschlungen zu werden, und einen der seelische Veitstanz der Dürrnis so lange schüttelt, bis man nicht mehr vergisst, einmal irgendwann im Leben innere Stimmen vernommen und im Scheine innerer Gesichte gestanden zu haben.&lt;br /&gt;
Wer erinnert sich nicht an die Zeit der Kunstverzückung, an die exaltierten Schwärmereien und das Rätselgeflecht von Ismen? All das war auch zu uns geflutet, es gab auch bei uns Auserwählte und Exaltierte, Verschmäher des Wirklichen und Dogmatiker der Phantasterei, die in einer Sackgasse auf der gleichen Stelle umhertraten. Diese Gilde der Traumschwangeren, die ihrer Palette ein Eigenleben, ein vom Leben der Umwelt unabhängiges, zugedichtet hatten, blickte auf jeden nieder, wie wenn man von einem an die Wolken stoßenden Gipfel in die unermessliche Tiefe, die alles winzig-klein erscheinen lässt, hinabschaut. Daher galt [[Stefan Jäger]] manchem Adepten des Kunstbetriebs nicht als vollgültiger Maler; er war den Zünftigen zu einfach, weil er sich in keine Komplikationen verrannte und weil das, was er mit seinem Pinsel darstellte, nicht etwas anderes sein sollte, als sich dem Auge darbot. [[Stefan Jäger|Jäger]] wurde wegen seiner Treue zum Gegenständlichen und zum Menschlichen als eine Peripherialerscheinung zum Teil bemitleidet, zum Teil als „Dorfmaler&amp;quot; entwertet. Es wurde ihm ein größerer Geistigkeitswert aberkannt, und er wurde als der Vertreter eines mehrweniger vulgären Kunstgeschmacks abgestempelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was aus dieser Bewertung als Negatives herausgelesen werden kann: Jene unbedingte Anhänglichkeit der Wirklichkeit gegenüber, die sich all die Jahrzehnte hindurch als unerschütterlich erwiesen hat, ist gerade das große Positivum, das als hervorragendster Vorzug seines Schaffens ihn der Gegenwart so wert macht, ihn trotz des hohen Alters als einen Maler erscheinen lässt, dessen Werk mit der Zeit von heute eng verknüpft werden kann. Über die Spannweite seiner Thematik und der Behandlungsweise seiner Gegenstände können die Meinungen auseinandergehen – eines bleibt unverrückbar bestehen: Seitdem er die „Einwanderung der Schwaben&amp;quot;, das große dreiteilige Gemälde von Wanderung, Ankunft und Niederlassung geschaffen hat, ist er dem Grundmotiv vom Menschen, der sich durch seine Arbeit behauptet und sich das Leben durch sinngemäße Feste verschönert, immer treu geblieben. Eine solche Lobpreisung des Menschen, der sich durch seiner Hände Mühe einen Herd schafft und Neuland dem Pflug erobert, kann füglich als Einspruch hingestellt werden gegen alle Ungeheuerlichkeiten, die in zwei Weltbränden über uns und unseresgleichen anderer Sprache gekommen sind. Der gesellschaftliche Protest spricht viele Idiome, einer dieser tönte aus [[Stefan Jäger|Jägers]] Bildern den Anschlägen wider die Menschenfreundlichkeit, der im Großen betriebenen Entmenschlichung entgegen. Wohl hat [[Stefan Jäger|Jäger]] nicht die ganze Wirklichkeit seiner Zeit bis zu den tiefsten Zusammenhängen und in ihren Bewegungen zu erfassen vermocht. Wenn es nicht zu den Ruhmesblättern von Hatzfeld gehört, dass Karl von Möller in den Mauern des Städtchens seine Romane auf dem Siedepunkte nationalistischer Blindheit und militaristischen Gerassels geschrieben hat, so kann es andererseits Hatzfeld nicht hoch genug angerechnet werden, dass ein Maler vom Wesen [[Stefan Jäger|Jägers]] hier die Möglichkeiten für seine Betätigung gefunden hat. Und dass er sie auch bis ins hohe Alter hinein behalten konnte durch sein ununterbrochenes Bekenntnis zum Menschlichen, zur Schönheit des Lebens bei Arbeit und Fest, durch seine Treue zum einfachen Volke, in seiner rührenden Liebe  zu  allem,  was diesem  gehört – vom Spinnrad bis zum Zapfenbrett, von einer einfachen Schnitzerei bis zum Barockgiebel der Bauernhäuser, vom Kerweihstrauß bis zur Haartracht der aufgesteckten Zöpfe, von der hauchigen, festlichen Mädchentracht bis zur ehrwürdigen Truhe, von den einfachen Ornamenten an Möbelstücken bis zu den in die prächtige Seide der Röcke hineingewebten Blumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles ist ja Volkskunde – vielleicht findet sich jemand, der das mit dem Nebengeräusch leiser Missachtung  auch  heute noch  sagt.  Unbestreitbar – das ist es, und es wäre nur das, wenn nicht alles durchdrungen wäre von einem tiefen Gefühl der Zusammengehörigkeit aller dieser Dinge; einem Gefühl, das sie in die Sphäre der Kunst erhebt. Was [[Stefan Jäger]] der deutschen Bevölkerung des Banats bedeutet, wird sich in der großen Ausstellung eines Teiles seines Lebenswerkes, die zu seinem achtzigsten Geburtstag geplant ist, in großen Umrissen wenigstens ermessen lassen. Neben dem Gesamtwerk, das über das ganze Gebiet des  Banats zerstreut ist, liegt [[Stafan Jäger|Jägers]] Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft in seinen reichen Skizzenmappen eingeschlossen, die vom Banater Regionalmuseum vor kurzem erworben wurden und eine wahre Schatzkammer der Dokumente schwäbischen Volkslebens darstellen. Die Ergebnisse der Beobachtungsarbeit von Jahrzehnten liegen in diesen Blättern verschiedener Größen, in diesen Aquarell- und zum kleineren Teil Bleistift- und Tuschskizzen, die oft die Jahreszahl ihrer Entstehung und verschiedene, mit Bleistift gemachte Anmerkungen aufweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist eine Skizze der Mädchenfesttracht von Neubeschenowa durch folgenden Text begleitet: „Blumen in Silberfarbe, ähnlich wie Sackelhausen.&amp;quot; Skizzen eines Erntefestes mit der Zeichnung eines halbkugelförmigen Ohrgehänges in Großausführung, Tanzausführung, Tanzpaare aus Bakowa wechseln mit Schnitterinnen aus Kleinbetschkerek ab, zu denen die Bemerkung geschrieben ist, dass die besonderen breiten Strohhüte im Schnitt auch von den Männern getragen werden. Neben einer Stube aus Guttenbrunn (Ofen, Spinnrad, Schubladkasten, Bett, davor Stühle und Tisch mit Krug) eine Frau beim Bügeln, ein malerisches Gassl und das Bild eines Silvesterständchens der Blechmusik aus dem gleichen Dorf. Sackelhausen ist durch eine Frauenhaube vertreten /mit Bleistift: „Schwarz mit Goldstickerei&amp;quot; / „Mattfleischfarbener Spenzer, Hemd mit roten Zacken eingefasst&amp;quot;/, liest man neben einem Mädchen in Tracht. Ein anderes Sackelhausener Mädchen ist wie folgt beschrieben: Tochter, Suppe auftragend – Rock: hechtgrau. Und so geht es fort: Deutschbentschek und Kreuzstätten, Jahrmarkt und Schöndorf, und noch viele andere Ortschaften. Jedes Blatt eine Fundgrube, auf jedem Blatt eine neue Entdeckung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bezeichnendste und Aufschlussreichste dieses unvergleichlichen umfangreichen Materials – die Zahl der Skizzenblätter beläuft sich auf mehrere hundert, jedes mit mehreren Abbildungen – soll in farbiger Wiedergabe in einem Trachtenbuch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So wird das, was dem Ursprung nach dem Volke gehört, über den Maler zum Volke wieder zurückkehren, als Spiegelbild der schöpferischen Kraft, die ihm innewohnt und die wir an Hand der [[Stefan Jäger|Jägerschen]] Skizzen noch besser werden kennen lernen als es bisher möglich war. Es ist zu wünschen, dass dieser Plan der Direktion des Banater Regionalmuseums als Beitrag zur Ehrung des Nestors unserer Maler unter den besten Bedingungen verwirklicht wird als Zeugenschaft dafür, dass in der Rumänischen Volksrepublik nicht nur Raum für die Pflege aller Volkskultur ist, im Geiste einer Eintracht, die keine Unterschiede kennt zwischen Bevölkerungsteilen verschiedener Sprache und verschiedener nationaler Überlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Repro:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Guttenbrunner Tracht (Studie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bauernmöbel aus Ortzidorf (Studie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwäbische Bauernhäuser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zeitung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Neuer Weg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Skizzen]]&lt;br /&gt;
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Bibliografie Zeitung&lt;br /&gt;
 |AutorName           = Wanderer&lt;br /&gt;
 |AutorVorname        = Johann&lt;br /&gt;
 |Aufsatztitel        = Der Schwabenmaler Stefan Jäger&lt;br /&gt;
 |Zeitungstitel       = [[Neuer Weg]]&lt;br /&gt;
 |Untertitel          =&lt;br /&gt;
 |Erscheinungsort     = Bukarest&lt;br /&gt;
 |Jahrgang            = 9&lt;br /&gt;
 |Nummer              = 2420&lt;br /&gt;
 |Datum               = 01.02.1957&lt;br /&gt;
 |Seite               = 4&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Der Schwabenmaler Stefan Jäger'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Von  Johann  Wanderer [= Reiter, Robert alias Liebhard, Franz]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Maler [[Stefan Jäger]], der beinahe ein halbes Jahrhundert in Hatzfeld wirkte, wird in diesem Jahre seinen achtzigsten Geburtstag begehen. Ein Sohn der Gemeinde Tschene, ließ er sich nach seinen Lehr- und Wanderjahren 1910 in Hatzfeld nieder, ein stiller, zurückgezogener Mann, der nur für die Malerei und ausschließlich von der Malerei lebte. Eine Kühnheit war das in einem Orte, der, obwohl er sich in dieser Zeit vom Dorf zum Marktflecken und von diesem zur Kleinstadt entwickelte, für das Dasein eines Malers nicht gerade die günstigsten Bedingungen bot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war die Domäne der Grafen Csekonics, da entfaltete sich ein großbäuerliches Herrentum, das seinen Reichtum demonstrativ zur Schau stellte und sich von der damals herrschenden Nation infiltrieren ließ, um auch auf diese Weise zu zeigen, dass es etwas Besonderes sei. Nachdem Hatzfeld schon sehr früh in den Eisenbahnverkehr eingeschaltet worden war – vor rund hundert Jahren und nicht zu Beginn unseres Jahrhunderts, wie man es vor kurzem in einem Zeitungsbericht lesen konnte – entstand eine Industrie – Mühlen, Ziegeleien, Hut- und Schuhfabrik. Es entwickelte sich aber auch ein Proletariat, und damit veränderte sich rasch die frühere Struktur der Bevölkerung. Die gesellschaftlichen Kämpfe, die sich auf dem Boden Hatzfelds seit der Jahrhundertwende abspielten, waren daher verwickelter Natur und manchmal von überaus großer Heftigkeit. Welche Widersprüche barg diese vom Rollen der gräflichen Kalesche und den Dampfsirenen der Fabriken durchlärmte Großgemeinde, die vom Drang in das Städtische fieberte! Welche Widersprüche zwischen den Kartenschlachten im Kasino und den meisterlichen Operationen des vortrefflichen Chirurgen Dr. Ludwig Diehl, volkstümlich „der alte Diehl&amp;quot; genannt! Welche unversöhnlichen Gegensätze zwischen dem Rufe des Dorfes, dank dem Atelier [[Stefan Jäger|Stefan Jägers]], ein schwäbisches Athen in der Heide zu sein, wo ein Paul Moussong seine Gedichte drucken ließ und der sich nunmehr auch dem Greisenalter nähernde Peter Jung seine Tausende Gedichte schrieb und dem kapitalistischen Frevel, nach dem ersten Weltkrieg, nach der Enteignung des gräflichen Latifundiums die obdachlos gebliebene Bibliothek, deren Anfänge aus dem 18. Jahrhundert stammten, im Ringofen des Ziegeleibarons Threiss, des „schwäbischen Stinnes&amp;quot;, für den sehr nüchternen Zweck der Ziegelerzeugung zu verheizen! In der gleichen Gemeinde, die in ihrem Park der Menschenfreundlichkeit ein Denkmal setzte, ein Standbild des Wohltäters der Leidenden, Dr. Diehl, wurden nach etlichen Jahren sieben Männer ermordet, weil sie von einer Welt der Menschenfreundlichkeit träumten und bereit waren, für eine solche Welt ihr Bestes in die Schanze zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stand der Maler [[Stefan Jäger]] inmitten dieser Spannungen und Auseinandersetzungen? Hatte [[Stefan Jäger|Jäger]], den man lange, mit einem billigen Lächeln als einen Maler des Kleinen und Engen, des harmlosen Genres, des Unproblematisch-Hellen, das kein Kopfzerbrechen verursacht, hinzustellen versuchte, in seiner Art, nach den Möglichkeiten seiner Kunst eine Stellung bezogen, die einen Teil des Inhaltes der Zeit zum Ausdruck brachte? Oder wäre es eine Übertretung, in Verbindung mit [[Stefan Jäger|Jäger]] hiervon zu sprechen, da er ein Unpolitischer war und es zu allen Zeiten vorzog, als ein solcher gerühmt oder verdammt zu werden? Der hochbetagte Meister wird vielleicht das Haupt staunend schütteln, wenn er vernimmt, dass hier nach Zusammenhängen gesucht wird, die nicht auf der Oberfläche liegen, sondern darunter, jedoch nicht nur aufgespürt werden können, sondern ins Licht gerückt werden müssen. Anders wird man seiner Bedeutung nie gerecht werden können, anders wird es nicht einmal annähernd möglich sein, sein besonderes Gewicht im Leben der deutschen Bevölkerung des Banats richtig zu ermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1877 in Tschene geborene Sohn eines Rasierers und Feldschers, dessen malerische Begabung schon in frühem Alter zum Durchbruch gekommen war und der sich in Budapest, München und Venedig zum Maler ausgebildet hatte, war immer ein Abseitiger – in seiner Kunst, aber auch in den Beziehungen zu den Menschen seiner Umwelt. Er war zeitlebens in bestimmtem Sinne ein Einsamer, ja sogar in einem gewissen Masse ein Eigenbrötler, der einen Kreis um sich gezogen und sich darin eingerichtet hatte. Vergegenwärtigen wir uns einmal nur die Zeit: wir stehen vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, ein Gewitter ist im Anzug, in dem die gräfliche Herrlichkeit versinken soll. Aber um 1910 war sie noch unangetastet. Müssen wir nicht der Einsamkeit, ja sogar der Eigenbrötelei [[Stefan Jäger|Stefan Jägers]] zustimmen, weil er sich durch sie davor behüten konnte, in das gräfliche Schlepptau genommen zu werden? Wir dürften diese Einsamkeit auch aus einem anderen Grunde billigen. Sie verhütete, dass er zweifellos vorhanden gewesenen Verlockungen, ein schönfärberischer, idealisierender Porträtist des Großbauerntums zu werden, nicht erlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchen schien dieser selbstgezogene Kreis des Einsamen sehr eng, geradezu krähwinklig, außerhalb der höheren Kunstbezirke liegend, außerhalb des heiligen Schauders, wo der Geheimsprache der Farben die Gefahr droht, vom Grau des prosaischen Alltags verschlungen zu werden, und einen der seelische Veitstanz der Dürrnis so lange schüttelt, bis man nicht mehr vergisst, einmal irgendwann im Leben innere Stimmen vernommen und im Scheine innerer Gesichte gestanden zu haben.&lt;br /&gt;
Wer erinnert sich nicht an die Zeit der Kunstverzückung, an die exaltierten Schwärmereien und das Rätselgeflecht von Ismen? All das war auch zu uns geflutet, es gab auch bei uns Auserwählte und Exaltierte, Verschmäher des Wirklichen und Dogmatiker der Phantasterei, die in einer Sackgasse auf der gleichen Stelle umhertraten. Diese Gilde der Traumschwangeren, die ihrer Palette ein Eigenleben, ein vom Leben der Umwelt unabhängiges, zugedichtet hatten, blickte auf jeden nieder, wie wenn man von einem an die Wolken stoßenden Gipfel in die unermessliche Tiefe, die alles winzig-klein erscheinen lässt, hinabschaut. Daher galt [[Stefan Jäger]] manchem Adepten des Kunstbetriebs nicht als vollgültiger Maler; er war den Zünftigen zu einfach, weil er sich in keine Komplikationen verrannte und weil das, was er mit seinem Pinsel darstellte, nicht etwas anderes sein sollte, als sich dem Auge darbot. [[Stafan Jäger|Jäger]] wurde wegen seiner Treue zum Gegenständlichen und zum Menschlichen als eine Peripherialerscheinung zum Teil bemitleidet, zum Teil als „Dorfmaler&amp;quot; entwertet. Es wurde ihm ein größerer Geistigkeitswert aberkannt, und er wurde als der Vertreter eines mehrweniger vulgären Kunstgeschmacks abgestempelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was aus dieser Bewertung als Negatives herausgelesen werden kann: Jene unbedingte Anhänglichkeit der Wirklichkeit gegenüber, die sich all die Jahrzehnte hindurch als unerschütterlich erwiesen hat, ist gerade das große Positivum, das als hervorragendster Vorzug seines Schaffens ihn der Gegenwart so wert macht, ihn trotz des hohen Alters als einen Maler erscheinen lässt, dessen Werk mit der Zeit von heute eng verknüpft werden kann. Über die Spannweite seiner Thematik und der Behandlungsweise seiner Gegenstände können die Meinungen auseinandergehen – eines bleibt unverrückbar bestehen: Seitdem er die „Einwanderung der Schwaben&amp;quot;, das große dreiteilige Gemälde von Wanderung, Ankunft und Niederlassung geschaffen hat, ist er dem Grundmotiv vom Menschen, der sich durch seine Arbeit behauptet und sich das Leben durch sinngemäße Feste verschönert, immer treu geblieben. Eine solche Lobpreisung des Menschen, der sich durch seiner Hände Mühe einen Herd schafft und Neuland dem Pflug erobert, kann füglich als Einspruch hingestellt werden gegen alle Ungeheuerlichkeiten, die in zwei Weltbränden über uns und unseresgleichen anderer Sprache gekommen sind. Der gesellschaftliche Protest spricht viele Idiome, einer dieser tönte aus [[Stafan Jäger|Jägers]] Bildern den Anschlägen wider die Menschenfreundlichkeit, der im Großen betriebenen Entmenschlichung entgegen. Wohl hat [[Stafan Jäger|Jäger]] nicht die ganze Wirklichkeit seiner Zeit bis zu den tiefsten Zusammenhängen und in ihren Bewegungen zu erfassen vermocht. Wenn es nicht zu den Ruhmesblättern von Hatzfeld gehört, dass Karl von Möller in den Mauern des Städtchens seine Romane auf dem Siedepunkte nationalistischer Blindheit und militaristischen Gerassels geschrieben hat, so kann es andererseits Hatzfeld nicht hoch genug angerechnet werden, dass ein Maler vom Wesen [[Stafan Jäger|Jägers]] hier die Möglichkeiten für seine Betätigung gefunden hat. Und dass er sie auch bis ins hohe Alter hinein behalten konnte durch sein ununterbrochenes Bekenntnis zum Menschlichen, zur Schönheit des Lebens bei Arbeit und Fest, durch seine Treue zum einfachen Volke, in seiner rührenden Liebe  zu  allem,  was diesem  gehört – vom Spinnrad bis zum Zapfenbrett, von einer einfachen Schnitzerei bis zum Barockgiebel der Bauernhäuser, vom Kerweihstrauß bis zur Haartracht der aufgesteckten Zöpfe, von der hauchigen, festlichen Mädchentracht bis zur ehrwürdigen Truhe, von den einfachen Ornamenten an Möbelstücken bis zu den in die prächtige Seide der Röcke hineingewebten Blumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles ist ja Volkskunde – vielleicht findet sich jemand, der das mit dem Nebengeräusch leiser Missachtung  auch  heute noch  sagt.  Unbestreitbar – das ist es, und es wäre nur das, wenn nicht alles durchdrungen wäre von einem tiefen Gefühl der Zusammengehörigkeit aller dieser Dinge; einem Gefühl, das sie in die Sphäre der Kunst erhebt. Was [[Stefan Jäger]] der deutschen Bevölkerung des Banats bedeutet, wird sich in der großen Ausstellung eines Teiles seines Lebenswerkes, die zu seinem achtzigsten Geburtstag geplant ist, in großen Umrissen wenigstens ermessen lassen. Neben dem Gesamtwerk, das über das ganze Gebiet des  Banats zerstreut ist, liegt [[Stafan Jäger|Jägers]] Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft in seinen reichen Skizzenmappen eingeschlossen, die vom Banater Regionalmuseum vor kurzem erworben wurden und eine wahre Schatzkammer der Dokumente schwäbischen Volkslebens darstellen. Die Ergebnisse der Beobachtungsarbeit von Jahrzehnten liegen in diesen Blättern verschiedener Größen, in diesen Aquarell- und zum kleineren Teil Bleistift- und Tuschskizzen, die oft die Jahreszahl ihrer Entstehung und verschiedene, mit Bleistift gemachte Anmerkungen aufweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist eine Skizze der Mädchenfesttracht von Neubeschenowa durch folgenden Text begleitet: „Blumen in Silberfarbe, ähnlich wie Sackelhausen.&amp;quot; Skizzen eines Erntefestes mit der Zeichnung eines halbkugelförmigen Ohrgehänges in Großausführung, Tanzausführung, Tanzpaare aus Bakowa wechseln mit Schnitterinnen aus Kleinbetschkerek ab, zu denen die Bemerkung geschrieben ist, dass die besonderen breiten Strohhüte im Schnitt auch von den Männern getragen werden. Neben einer Stube aus Guttenbrunn (Ofen, Spinnrad, Schubladkasten, Bett, davor Stühle und Tisch mit Krug) eine Frau beim Bügeln, ein malerisches Gassl und das Bild eines Silvesterständchens der Blechmusik aus dem gleichen Dorf. Sackelhausen ist durch eine Frauenhaube vertreten /mit Bleistift: „Schwarz mit Goldstickerei&amp;quot; / „Mattfleischfarbener Spenzer, Hemd mit roten Zacken eingefasst&amp;quot;/, liest man neben einem Mädchen in Tracht. Ein anderes Sackelhausener Mädchen ist wie folgt beschrieben: Tochter, Suppe auftragend – Rock: hechtgrau. Und so geht es fort: Deutschbentschek und Kreuzstätten, Jahrmarkt und Schöndorf, und noch viele andere Ortschaften. Jedes Blatt eine Fundgrube, auf jedem Blatt eine neue Entdeckung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bezeichnendste und Aufschlussreichste dieses unvergleichlichen umfangreichen Materials – die Zahl der Skizzenblätter beläuft sich auf mehrere hundert, jedes mit mehreren Abbildungen – soll in farbiger Wiedergabe in einem Trachtenbuch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So wird das, was dem Ursprung nach dem Volke gehört, über den Maler zum Volke wieder zurückkehren, als Spiegelbild der schöpferischen Kraft, die ihm innewohnt und die wir an Hand der [[Stefan Jäger|Jägerschen]] Skizzen noch besser werden kennen lernen als es bisher möglich war. Es ist zu wünschen, dass dieser Plan der Direktion des Banater Regionalmuseums als Beitrag zur Ehrung des Nestors unserer Maler unter den besten Bedingungen verwirklicht wird als Zeugenschaft dafür, dass in der Rumänischen Volksrepublik nicht nur Raum für die Pflege aller Volkskultur ist, im Geiste einer Eintracht, die keine Unterschiede kennt zwischen Bevölkerungsteilen verschiedener Sprache und verschiedener nationaler Überlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Repro:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Guttenbrunner Tracht (Studie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bauernmöbel aus Ortzidorf (Studie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwäbische Bauernhäuser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zeitung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Neuer Weg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Skizzen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildbeschreibung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wertschätzung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>217.50.34.208</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>https://w3.banater-archiv.de/index.php?title=ART:0018_-_Der_Schwabenmaler_Stefan_J%C3%A4ger&amp;diff=13009</id>
		<title>ART:0018 - Der Schwabenmaler Stefan Jäger</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://w3.banater-archiv.de/index.php?title=ART:0018_-_Der_Schwabenmaler_Stefan_J%C3%A4ger&amp;diff=13009"/>
		<updated>2015-03-28T15:10:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;217.50.34.208: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Bibliografie Zeitung&lt;br /&gt;
 |AutorName           = Wanderer&lt;br /&gt;
 |AutorVorname        = Johann&lt;br /&gt;
 |Aufsatztitel        = Der Schwabenmaler Stefan Jäger&lt;br /&gt;
 |Zeitungstitel       = [[Neuer Weg]]&lt;br /&gt;
 |Untertitel          =&lt;br /&gt;
 |Erscheinungsort     = Bukarest&lt;br /&gt;
 |Jahrgang            = 9&lt;br /&gt;
 |Nummer              = 2420&lt;br /&gt;
 |Datum               = 01.02.1957&lt;br /&gt;
 |Seite               = 4&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Der Schwabenmaler Stefan Jäger'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Von  Johann  Wanderer [= Reiter, Robert alias Liebhard, Franz]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Maler [[Stefan Jäger]], der beinahe ein halbes Jahrhundert in Hatzfeld wirkte, wird in diesem Jahre seinen achtzigsten Geburtstag begehen. Ein Sohn der Gemeinde Tschene, ließ er sich nach seinen Lehr- und Wanderjahren 1910 in Hatzfeld nieder, ein stiller, zurückgezogener Mann, der nur für die Malerei und ausschließlich von der Malerei lebte. Eine Kühnheit war das in einem Orte, der, obwohl er sich in dieser Zeit vom Dorf zum Marktflecken und von diesem zur Kleinstadt entwickelte, für das Dasein eines Malers nicht gerade die günstigsten Bedingungen bot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war die Domäne der Grafen Csekonics, da entfaltete sich ein großbäuerliches Herrentum, das seinen Reichtum demonstrativ zur Schau stellte und sich von der damals herrschenden Nation infiltrieren ließ, um auch auf diese Weise zu zeigen, dass es etwas Besonderes sei. Nachdem Hatzfeld schon sehr früh in den Eisenbahnverkehr eingeschaltet worden war – vor rund hundert Jahren und nicht zu Beginn unseres Jahrhunderts, wie man es vor kurzem in einem Zeitungsbericht lesen konnte – entstand eine Industrie – Mühlen, Ziegeleien, Hut- und Schuhfabrik. Es entwickelte sich aber auch ein Proletariat, und damit veränderte sich rasch die frühere Struktur der Bevölkerung. Die gesellschaftlichen Kämpfe, die sich auf dem Boden Hatzfelds seit der Jahrhundertwende abspielten, waren daher verwickelter Natur und manchmal von überaus großer Heftigkeit. Welche Widersprüche barg diese vom Rollen der gräflichen Kalesche und den Dampfsirenen der Fabriken durchlärmte Großgemeinde, die vom Drang in das Städtische fieberte! Welche Widersprüche zwischen den Kartenschlachten im Kasino und den meisterlichen Operationen des vortrefflichen Chirurgen Dr. Ludwig Diehl, volkstümlich „der alte Diehl&amp;quot; genannt! Welche unversöhnlichen Gegensätze zwischen dem Rufe des Dorfes, dank dem Atelier [[Stefan Jäger|Stefan Jägers]], ein schwäbisches Athen in der Heide zu sein, wo ein Paul Moussong seine Gedichte drucken ließ und der sich nunmehr auch dem Greisenalter nähernde Peter Jung seine Tausende Gedichte schrieb und dem kapitalistischen Frevel, nach dem ersten Weltkrieg, nach der Enteignung des gräflichen Latifundiums die obdachlos gebliebene Bibliothek, deren Anfänge aus dem 18. Jahrhundert stammten, im Ringofen des Ziegeleibarons Threiss, des „schwäbischen Stinnes&amp;quot;, für den sehr nüchternen Zweck der Ziegelerzeugung zu verheizen! In der gleichen Gemeinde, die in ihrem Park der Menschenfreundlichkeit ein Denkmal setzte, ein Standbild des Wohltäters der Leidenden, Dr. Diehl, wurden nach etlichen Jahren sieben Männer ermordet, weil sie von einer Welt der Menschenfreundlichkeit träumten und bereit waren, für eine solche Welt ihr Bestes in die Schanze zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stand der Maler [[Stefan Jäger]] inmitten dieser Spannungen und Auseinandersetzungen? Hatte [[Stefan Jäger|Jäger]], den man lange, mit einem billigen Lächeln als einen Maler des Kleinen und Engen, des harmlosen Genres, des Unproblematisch-Hellen, das kein Kopfzerbrechen verursacht, hinzustellen versuchte, in seiner Art, nach den Möglichkeiten seiner Kunst eine Stellung bezogen, die einen Teil des Inhaltes der Zeit zum Ausdruck brachte? Oder wäre es eine Übertretung, in Verbindung mit Jäger hiervon zu sprechen, da er ein Unpolitischer war und es zu allen Zeiten vorzog, als ein solcher gerühmt oder verdammt zu werden? Der hochbetagte Meister wird vielleicht das Haupt staunend schütteln, wenn er vernimmt, dass hier nach Zusammenhängen gesucht wird, die nicht auf der Oberfläche liegen, sondern darunter, jedoch nicht nur aufgespürt werden können, sondern ins Licht gerückt werden müssen. Anders wird man seiner Bedeutung nie gerecht werden können, anders wird es nicht einmal annähernd möglich sein, sein besonderes Gewicht im Leben der deutschen Bevölkerung des Banats richtig zu ermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1877 in Tschene geborene Sohn eines Rasierers und Feldschers, dessen malerische Begabung schon in frühem Alter zum Durchbruch gekommen war und der sich in Budapest, München und Venedig zum Maler ausgebildet hatte, war immer ein Abseitiger – in seiner Kunst, aber auch in den Beziehungen zu den Menschen seiner Umwelt. Er war zeitlebens in bestimmtem Sinne ein Einsamer, ja sogar in einem gewissen Masse ein Eigenbrötler, der einen Kreis um sich gezogen und sich darin eingerichtet hatte. Vergegenwärtigen wir uns einmal nur die Zeit: wir stehen vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, ein Gewitter ist im Anzug, in dem die gräfliche Herrlichkeit versinken soll. Aber um 1910 war sie noch unangetastet. Müssen wir nicht der Einsamkeit, ja sogar der Eigenbrötelei Stefan Jägers zustimmen, weil er sich durch sie davor behüten konnte, in das gräfliche Schlepptau genommen zu werden? Wir dürften diese Einsamkeit auch aus einem anderen Grunde billigen. Sie verhütete, dass er zweifellos vorhanden gewesenen Verlockungen, ein schönfärberischer, idealisierender Porträtist des Großbauerntums zu werden, nicht erlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchen schien dieser selbstgezogene Kreis des Einsamen sehr eng, geradezu krähwinklig, außerhalb der höheren Kunstbezirke liegend, außerhalb des heiligen Schauders, wo der Geheimsprache der Farben die Gefahr droht, vom Grau des prosaischen Alltags verschlungen zu werden, und einen der seelische Veitstanz der Dürrnis so lange schüttelt, bis man nicht mehr vergisst, einmal irgendwann im Leben innere Stimmen vernommen und im Scheine innerer Gesichte gestanden zu haben.&lt;br /&gt;
Wer erinnert sich nicht an die Zeit der Kunstverzückung, an die exaltierten Schwärmereien und das Rätselgeflecht von Ismen? All das war auch zu uns geflutet, es gab auch bei uns Auserwählte und Exaltierte, Verschmäher des Wirklichen und Dogmatiker der Phantasterei, die in einer Sackgasse auf der gleichen Stelle umhertraten. Diese Gilde der Traumschwangeren, die ihrer Palette ein Eigenleben, ein vom Leben der Umwelt unabhängiges, zugedichtet hatten, blickte auf jeden nieder, wie wenn man von einem an die Wolken stoßenden Gipfel in die unermessliche Tiefe, die alles winzig-klein erscheinen lässt, hinabschaut. Daher galt Stefan Jäger manchem Adepten des Kunstbetriebs nicht als vollgültiger Maler; er war den Zünftigen zu einfach, weil er sich in keine Komplikationen verrannte und weil das, was er mit seinem Pinsel darstellte, nicht etwas anderes sein sollte, als sich dem Auge darbot. Jäger wurde wegen seiner Treue zum Gegenständlichen und zum Menschlichen als eine Peripherialerscheinung zum Teil bemitleidet, zum Teil als „Dorfmaler&amp;quot; entwertet. Es wurde ihm ein größerer Geistigkeitswert aberkannt, und er wurde als der Vertreter eines mehrweniger vulgären Kunstgeschmacks abgestempelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was aus dieser Bewertung als Negatives herausgelesen werden kann: Jene unbedingte Anhänglichkeit der Wirklichkeit gegenüber, die sich all die Jahrzehnte hindurch als unerschütterlich erwiesen hat, ist gerade das große Positivum, das als hervorragendster Vorzug seines Schaffens ihn der Gegenwart so wert macht, ihn trotz des hohen Alters als einen Maler erscheinen lässt, dessen Werk mit der Zeit von heute eng verknüpft werden kann. Über die Spannweite seiner Thematik und der Behandlungsweise seiner Gegenstände können die Meinungen auseinandergehen – eines bleibt unverrückbar bestehen: Seitdem er die „Einwanderung der Schwaben&amp;quot;, das große dreiteilige Gemälde von Wanderung, Ankunft und Niederlassung geschaffen hat, ist er dem Grundmotiv vom Menschen, der sich durch seine Arbeit behauptet und sich das Leben durch sinngemäße Feste verschönert, immer treu geblieben. Eine solche Lobpreisung des Menschen, der sich durch seiner Hände Mühe einen Herd schafft und Neuland dem Pflug erobert, kann füglich als Einspruch hingestellt werden gegen alle Ungeheuerlichkeiten, die in zwei Weltbränden über uns und unseresgleichen anderer Sprache gekommen sind. Der gesellschaftliche Protest spricht viele Idiome, einer dieser tönte aus Jägers Bildern den Anschlägen wider die Menschenfreundlichkeit, der im Großen betriebenen Entmenschlichung entgegen. Wohl hat Jäger nicht die ganze Wirklichkeit seiner Zeit bis zu den tiefsten Zusammenhängen und in ihren Bewegungen zu erfassen vermocht. Wenn es nicht zu den Ruhmesblättern von Hatzfeld gehört, dass Karl von Möller in den Mauern des Städtchens seine Romane auf dem Siedepunkte nationalistischer Blindheit und militaristischen Gerassels geschrieben hat, so kann es andererseits Hatzfeld nicht hoch genug angerechnet werden, dass ein Maler vom Wesen Jägers hier die Möglichkeiten für seine Betätigung gefunden hat. Und dass er sie auch bis ins hohe Alter hinein behalten konnte durch sein ununterbrochenes Bekenntnis zum Menschlichen, zur Schönheit des Lebens bei Arbeit und Fest, durch seine Treue zum einfachen Volke, in seiner rührenden Liebe  zu  allem,  was diesem  gehört – vom Spinnrad bis zum Zapfenbrett, von einer einfachen Schnitzerei bis zum Barockgiebel der Bauernhäuser, vom Kerweihstrauß bis zur Haartracht der aufgesteckten Zöpfe, von der hauchigen, festlichen Mädchentracht bis zur ehrwürdigen Truhe, von den einfachen Ornamenten an Möbelstücken bis zu den in die prächtige Seide der Röcke hineingewebten Blumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles ist ja Volkskunde – vielleicht findet sich jemand, der das mit dem Nebengeräusch leiser Missachtung  auch  heute noch  sagt.  Unbestreitbar – das ist es, und es wäre nur das, wenn nicht alles durchdrungen wäre von einem tiefen Gefühl der Zusammengehörigkeit aller dieser Dinge; einem Gefühl, das sie in die Sphäre der Kunst erhebt. Was Stefan Jäger der deutschen Bevölkerung des Banats bedeutet, wird sich in der großen Ausstellung eines Teiles seines Lebenswerkes, die zu seinem achtzigsten Geburtstag geplant ist, in großen Umrissen wenigstens ermessen lassen. Neben dem Gesamtwerk, das über das ganze Gebiet des  Banats zerstreut ist, liegt Jägers Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft in seinen reichen Skizzenmappen eingeschlossen, die vom Banater Regionalmuseum vor kurzem erworben wurden und eine wahre Schatzkammer der Dokumente schwäbischen Volkslebens darstellen. Die Ergebnisse der Beobachtungsarbeit von Jahrzehnten liegen in diesen Blättern verschiedener Größen, in diesen Aquarell- und zum kleineren Teil Bleistift- und Tuschskizzen, die oft die Jahreszahl ihrer Entstehung und verschiedene, mit Bleistift gemachte Anmerkungen aufweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist eine Skizze der Mädchenfesttracht von Neubeschenowa durch folgenden Text begleitet: „Blumen in Silberfarbe, ähnlich wie Sackelhausen.&amp;quot; Skizzen eines Erntefestes mit der Zeichnung eines halbkugelförmigen Ohrgehänges in Großausführung, Tanzausführung, Tanzpaare aus Bakowa wechseln mit Schnitterinnen aus Kleinbetschkerek ab, zu denen die Bemerkung geschrieben ist, dass die besonderen breiten Strohhüte im Schnitt auch von den Männern getragen werden. Neben einer Stube aus Guttenbrunn (Ofen, Spinnrad, Schubladkasten, Bett, davor Stühle und Tisch mit Krug) eine Frau beim Bügeln, ein malerisches Gassl und das Bild eines Silvesterständchens der Blechmusik aus dem gleichen Dorf. Sackelhausen ist durch eine Frauenhaube vertreten /mit Bleistift: „Schwarz mit Goldstickerei&amp;quot; / „Mattfleischfarbener Spenzer, Hemd mit roten Zacken eingefasst&amp;quot;/, liest man neben einem Mädchen in Tracht. Ein anderes Sackelhausener Mädchen ist wie folgt beschrieben: Tochter, Suppe auftragend – Rock: hechtgrau. Und so geht es fort: Deutschbentschek und Kreuzstätten, Jahrmarkt und Schöndorf, und noch viele andere Ortschaften. Jedes Blatt eine Fundgrube, auf jedem Blatt eine neue Entdeckung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bezeichnendste und Aufschlussreichste dieses unvergleichlichen umfangreichen Materials – die Zahl der Skizzenblätter beläuft sich auf mehrere hundert, jedes mit mehreren Abbildungen – soll in farbiger Wiedergabe in einem Trachtenbuch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So wird das, was dem Ursprung nach dem Volke gehört, über den Maler zum Volke wieder zurückkehren, als Spiegelbild der schöpferischen Kraft, die ihm innewohnt und die wir an Hand der Jägerschen Skizzen noch besser werden kennen lernen als es bisher möglich war. Es ist zu wünschen, dass dieser Plan der Direktion des Banater Regionalmuseums als Beitrag zur Ehrung des Nestors unserer Maler unter den besten Bedingungen verwirklicht wird als Zeugenschaft dafür, dass in der Rumänischen Volksrepublik nicht nur Raum für die Pflege aller Volkskultur ist, im Geiste einer Eintracht, die keine Unterschiede kennt zwischen Bevölkerungsteilen verschiedener Sprache und verschiedener nationaler Überlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Repro:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Guttenbrunner Tracht (Studie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bauernmöbel aus Ortzidorf (Studie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwäbische Bauernhäuser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zeitung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Neuer Weg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Skizzen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildbeschreibung]]&lt;br /&gt;
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		<id>https://w3.banater-archiv.de/index.php?title=ART:0029_-_Stefan_J%C3%A4ger&amp;diff=13006</id>
		<title>ART:0029 - Stefan Jäger</title>
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		<updated>2015-03-28T15:06:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;217.50.34.208: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{DISPLAYTITLE:Stefan Jäger}}&lt;br /&gt;
{{Infobox Bibliografie Aufsatz&lt;br /&gt;
 |AutorName           = Axmann &lt;br /&gt;
 |AutorVorname        = Elisabeth&lt;br /&gt;
 |Aufsatztitel        = Stefan Jäger&lt;br /&gt;
 |HerausgeberName     = Neuer Weg&lt;br /&gt;
 |HerausgeberVorname  =&lt;br /&gt;
 |Buchtitel           = Almanach&lt;br /&gt;
 |Untertitel          = 1958&lt;br /&gt;
 |Reihentitel         =&lt;br /&gt;
 |Erscheinungsort     = Bukarest&lt;br /&gt;
 |Verlag              = Neuer Weg&lt;br /&gt;
 |Entstehungsjahr     = 1957&lt;br /&gt;
 |Seite               = 178&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Maler [[Stefan Jäger]] wurde 1877 in der Banater Gemeinde [[Cenei|Tschene]] als Sohn eines Feldschers geboren. Er studierte in Budapest, München und Venedig, kehrte sodann in die Heimat zurück und ließ sich 1910 in [[Jimbolia|Hatzfeld]] nieder, wo er in den Jahren, die seither vergangen sind – im Mai1957 feierte [[Stefan Jäger]] seinen 80. Geburtstag –, gelebt und gearbeitet hat.&lt;br /&gt;
Jedem oberflächlichen oder formalistischen Streben fern, blieb [[Stefan Jäger|Jägers]] Kunst stets der Wirklichkeit treu; sie war in all den Jahren dem an Arbeit und  auch an malerischen Festen reichen Leben der Banater Schwaben gewidmet. Denn  [[Stefan Jäger]] – davon zeugt sein ganzes Werk – hängt an seiner Heimat mit inniger unwandelbarer Liebe, der auch die lebendigen Quellen seines künstlerischen Schaffens entspringen. In liebevoller Mühe hat er – (der von blasierten und entwurzelten Ästheten oft als „Bauernmaler&amp;quot; über die Achsel angesehen wurde – ein Werk geschaffen, das wohl über die Tageserfolge manch eines „ ... istischen&amp;quot; Malers hinausging und lebendig bleiben wird.&lt;br /&gt;
Besondere Bedeutung kommt dem Hauptwerk [[Stefan Jäger|Jägers]], dem Triptychon [[„Die Einwanderung der Schwaben ins Banat&amp;quot;]] zu. Auf drei großen gestaltenreichen Ölgemälden versucht [[Stefan Jäger|Jäger]], Momente des historischen Vorgangs der Einwanderung festzuhalten: ein Zug unterwegs, die Rast (Ankunft) und schließlich das Aufbauen der neuen Heimat. (Diese Gemälde gehören sowohl inhaltlich wie auch der Malweise nach zusammen; nach wechselvollem Schicksal befinden sie sich nun im Besitze des Banater Regionsmuseums.)&lt;br /&gt;
Wer dürfte aber – wenn auch noch so kurz – von [[Stefan Jäger]] sprechen, ohne seine Skizzenmappen zu erwähnen, diese unerschöpflichen Fundgruben für die Erforschung des Banater Volkslebens, sowie für jeden, der Freude am Schönen hat, an der Kunst, die dem Alltag und den Festtagen der schwäbischen Bauern entwächst...&lt;br /&gt;
Besonders wertvoll sind diese Skizzenblätter – ihre Zahl beträgt über 100 – dadurch, dass hier Trachten und Brauchtum aus allen Schwabendörfern nicht nur mit größter Genauigkeit gezeichnet . und das künstlerisch Lebendigste und Wirkungsvollste ins Licht gerückt wird, sondern auch, weil jedes Blatt mit Aufzeichnungen versehen ist, die feststellen, vergleichen, unterstreichen.&lt;br /&gt;
Diese Mappen, vom Banater Regionsmuseum kürzlich angekauft, werden die Herausgabe eines überaus schönen und interessanten Trachtenbuches ermöglichen.&lt;br /&gt;
Zu seinem 80. Geburtstag wurde [[Stefan Jäger]] mit dem [[Arbeitsorden]] ausgezeichnet. Außer dieser öffentlichen Ehrung und Anerkennung seiner Verdienste erfreut er sich aber auch der Liebe und Dankbarkeit, die ihm seine Landsleute entgegenbringen, und mit ihnen jeder, der volksverbundene, lebendige Kunst zu schätzen weiß.&lt;br /&gt;
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Stefan Jäger &lt;br /&gt;
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Die Einwanderung der Schwaben ins Banat&amp;quot; (Rast)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sammelband]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Neuer Weg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lebenslauf in groben Zügen]]&lt;/div&gt;</summary>
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